Baby-Intelligenz im Blick

07.08.2015
Kategorie: Rund ums Baby

Ein neugeborenes Baby ist kurzsichtig und hat eine maximale Sehschärfe von zwanzig Zentimetern. Erst mit ungefähr vier bis fünf Monaten nehmen Babys ihre Umwelt mit den Augen wahr. Sie beginnen, ein Objekt, das sie zum ersten Mal sehen, zu verfolgen und fixieren es entweder über einen kurzen oder langen Zeitraum. Wissenschaftler verwenden dafür den Ausdruck Short Lookers (SL; auf deutsch: Kurz-Hingucker) beziehungsweise Long Lookers (LL; auf deutsch: Lang-Hingucker).

An der Länge der Fixierung eines neuen Reizes definieren die Forscher, wie gut die Kinder später ihre Gefühle kontrollieren können, ob sie hyperaktiv werden, oder ob sie Probleme mit Gleichaltrigen bekommen. Das Blickverhalten eines Babys verrät den Wissenschaftlern also dessen Intelligenz. Man hat herausgefunden, dass ein Baby, wenn es einen Gegenstand über einen längeren Zeitraum fixiert, dabei nicht automatisch mehr Informationen aufnimmt. Im Gegenteil. Tatsache ist, dass Short Lookers sogar eine schnellere Auffassungsgabe und ein besseres Gedächtnis haben.


Was heißt das nun?
Wenn sich heute ein Jugendlicher noch an den Gesichtsausdruck seiner Mutter erinnert, die ihm im Alter von fünf Jahren wildfuchtelnd die Schaufel eines fremden Kindes aus der Hand riss, dann liegt die Vermutung nahe, der junge Mann war ein Short Looker.
Wenn ein erwachsener Mann dagegen eine Frau etwas länger als normal fixiert, dann setzt entweder die Intelligenz des Mannes kurzzeitig aus oder es handelt sich hier um den klassischen Fall eines Long Lookers.

Kurt Tucholsky beschreibt in seinem Gedicht „Augen in der Großstadt“ einen Short Look:

"Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? Von der großen Menschheit ein Stück
vorbei, verweht, nie wieder."

Wir von Baby und mehr haben es auch einmal versucht:

"Zwei leuchtende Augen, ein kurzer Blick,
das Baby, die Decke, der Fußsack - welch’ Glück -
Was ist das? Von da, wo Ideen boomen, ein Stück
gleich, bestellt, mit einem Klick."

Im Gedächtnis geblieben, getreu dem Motto:

Wer kurz nur blickt
und nicht grad pennt,
der liegt im Forschungs-Studien-Trend!

 

Autoren:
Nicole Kleim,
Ivana Lorenz