Panische Glucke oder nur liebende Henne?

11.09.2015
Kategorie: Rund ums Baby

Das Ultraschallgerät wandert auf der gewölbten Bauchdecke auf und ab. Man traut sich kaum zu atmen, geschweige denn, die befruchtete Eizelle auf dem Monitor zu betrachten. Zu groß könnte die Gefahr sein, irgendetwas Schlimmes zu entdecken. Schweißperlen fangen an, auf der Stirn zu tanzen. Die Angst ist da. Und verdrängt das Vertrauen in das noch ungeborene Leben.

Schon in der Schwangerschaft brüten angstgesteuerte Mütter über der Frage, ob neben den Basis-Ultraschalluntersuchungen nicht eventuell noch weitere nötig sind. Sie wollen eine mögliche Fehlentwicklung oder gesundheitliche Einschränkung beim Baby frühzeitig erkennen, um durch Kontrolle rechtzeitig vorzubeugen. Übertreiben Mütter ihre Sorgen um das Baby?

Fürsorge ist ein instinktives Verhalten von Frauen. Sie wollen ein Baby mit Leib und Seele vor Gefahren und Unannehmlichkeiten schützen. Doch wird diese von der Natur gegebene Aufgabe zur Farce, wenn die Angst tatsächlich größer ist als die Gefahr? Wenn Panik den Schwangerschaftsverlauf bestimmt?

Die Frau im 21. Jahrhundert will alles richtig machen. Und perfekt. Sie ist es gewohnt, Haushalt und Beruf gleichzeitig zu managen. Und sie hat eine Menge Informationen und Erfahrungen zum Thema Schwangerschaft und Geburt aus allen verfügbaren Medien gesammelt. Sie ist gewappnet für die vor ihr liegende noch unbekannte Aufgabe. Glaubt sie.

Doch auf einmal stößt sie an ihre Grenzen. Sie ist unsicher, steht unter Druck. Von außen reden Familie und Freunde auf sie ein, Ärzte geben gutgemeinte Ratschläge, die Medien verunsichern. Es fehlt die nötige Ruhe und Gelassenheit, um die geballte Flut an Erfahrungen und gelesenen Informationen zu sortieren und auf das eigene Bauchgefühl zu vertrauen. Zuviel Wissen macht nervös.

Und ein Zuviel an Vorsorge macht das Leben schwer. Nicht nur das der Mutter, sondern auf Dauer auch das des Kindes, wenn es das Licht der Welt erblickt hat. Eine Mutter kann einfach nicht alle negativen Erlebnisse erahnen, die auf das Kind einwirken könnten, und sie kann es vor allem nicht ununterbrochen beschützen. Es liegt in der Natur der Sache, dass eine Mutter die Bedürfnisse ihres schreienden Babys erkennt und sofort reagiert. Ist sie allerdings immer noch ständig präsent, wenn das Kind älter wird, dann setzt sie damit dessen Frustrationsschwelle auf ein Minimum. Woher soll ein Kind wissen, was es will, wenn ihm nicht dabei geholfen wird, es selbst herauszufinden?

Eine überfürsorgliche Mutter muss lernen, dass Widerstand und Ablehnung vorprogrammiert sind. Zumindest beim eigenen Kind. Die meisten Frauen in ähnlichen Situationen wird sie auf ihrer Seite haben. Und das ist doch ein sehr beruhigender Gedanke!

Autoren:
Nicole Kleim,
Ivana Lorenz