Schnuller hin oder her - eine berufstätige Mutter im Babyalltag

20.08.2015
Kategorie: Rund ums Baby

Ines Rohrmoser ist Mutter zweier Kinder und berufstätig. Die gelernte Steuerfachwirtin rutschte nach der Geburt ihres ersten Kindes von einem Vollzeitjob in einen Vierundzwanzigstunden-Mutterdienst. „Ein Sturz von Hundert auf Null“, wie Ines Rohrmoser die damalige Situation beschreibt.

Das Berufsleben gegen das Hausfrauendasein einzutauschen war für die Sechsunddreißigjährige keine leichte Sache. Während ihre Freundinnen den Tag im Büro verbrachten, ging Ines Rohrmoser stundenlang mit ihrem Baby spazieren, kannte bald jeden Grashalm und saß anschließend mit Haushalt und prall gefüllten Windeln im Chaos. „Am Ende des Tages sah man einfach kein Ergebnis“, zieht sie Resümee aus den Anfangsphasen. „Irgendwie hat man seine Zeit verschludert.“
Auch ihrem Mann ist das nicht entgangen. „Wie schaut`s denn hier aus?“, kommentierte er schmunzelnd, als er abends heim kam.
 

Nach einem Jahr Babypause nahm Ines Rohrmoser Abschied vom Hausfrauendasein und einen Teilzeitjob in einer Steuerkanzlei an. Obwohl die technischen Voraussetzungen ihrem vorherigen Job ähnelten, waren die innerbetrieblichen Strukturen neu für Sie. In der Einarbeitungsphase musste sie sich behaupten. „Das war anfangs nicht leicht. Man will eine gute Arbeit abliefern und versucht, alles richtig zu machen“, sagt sie. Der gleiche Anspruch galt auch für ihr Privatleben. Auch hier versuchte sie, den Anforderungen in der Rolle der Mutter und Ehefrau gerecht zu werden. Und wurde mit festgelegten Arbeitszeiten konfrontiert, die nicht mit ihren privaten Terminen vereinbar waren. Die Krippeneingewöhnung ihrer Tochter beispielsweise oder Arztbesuche erforderten Zeit, die sie aufgrund ihrer Tätigkeit nicht hatte.

Zum Glück war ihre damalige Chefin selbst Oma und zeigte Verständnis. „Wenn wir Frauen nicht zusammenhalten, wie soll das denn funktionieren?“, war ihre Antwort. Sie gab Ines Rohrmoser die Möglichkeit, die verlorene Arbeitszeit nachzuarbeiten., und nahm ihr damit den Druck, ihr Arbeitspensum in einem vorgegebenen Zeitfenster erledigen zu müssen. „Ohne diese Flexibilität und Unterstützung wäre ein Wiedereinstieg in den Beruf kaum machbar gewesen“, ist sich Ines Rohrmoser sicher.

Ein ausschlaggebender Grund für die Entscheidung, arbeiten zu gehen, war für Ines Rohrmoser der, die Entwicklungen im Job nicht zu verpassen. „Selbst wenn es bei uns finanziell nicht zwingend erforderlich war, dass ich arbeite, so war mir bewusst, dass ich irgendwann den Bezug zu den gesetzlichen Steuerrichtlinien verloren hätte. Dann hätte ich wirklich für neue Wege offen sein und etwas völlig Neues anfangen müssen.“, sagt sie. Und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Dafür bin ich aber zu sehr Gewohnheitstier. Ich brauche keine großen Veränderungen.“ „Zumindest, was die Arbeit betrifft“, ergänzt sie schnell.

Und was den Rest betrifft, hat sie gelernt, auf Gewohnheit zu verzichten und mit den eigenen Grenzen umzugehen.
Die Grenzen einer Mutter eben. Oder Chaosgene, die Ines Rohrmoser zum ersten Mal nach Ablauf der vierwöchigen Elternzeit ihres Mannes zu spüren bekam. Ihr Mann war den ersten Tag wieder arbeiten und sie mit zwei Kindern allein zuhause. Durch die einmonatige männliche Unterstützung saß jeder Handgriff. Zackig wurde die Kindergartentasche für die Große gepackt, der Kaffee gekocht, Zöpfe geflochten, der Schnuller für den schreienden Kleinen aus einem Berg von herumliegenden Babyflaschen gegriffen - und - der Großen in den Mund gesteckt. „Mmmh - Mama!“, schrie diese entsetzt auf, als sie das Gummiteil angewidert auf den Boden spuckte. Passiert eben, wenn ein Teammitglied fehlt.

Heute gönnt sie sich mit ihrer fünfjährigen Tochter und dem vier Monate alten Sohn eine Arbeitsauszeit und genießt das Leben daheim. Sie hat den mit Arbeit und Kind verbundenen Stress gegen mehr Ruhe eingetauscht. Inzwischen weiß sie das Hausfrauendasein zu schätzen und lebt bewusster. „Kinder geben einem mit ihrer unbeschwerten Art soviel zurück“, weiß Ines Rohrmoser aus eigener Erfahrung, „Und - inzwischen liebe ich sogar jeden Grashalm.“

Ines Rohrmoser - eine Mutter, die immer schaut, dass es anderen gut geht. So wie viele andere Mütter auch.

Autoren:
Nicole Kleim,
Ivana Lorenz